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Kostproben zu den Lesungen von S. A. Mahr

13. Oktober 2011

Im Gegensatz zu meinen kreabunten Freunden wird es von mir nichts geben, was ihr in Händen mit nach Hause nehmen werdet können – außer unseren Wandkalender, der ein Gemeinschaftsprojekt ist. Meine Kreativität drückt sich weder in Bildern noch in Schmuckstücken aus, sondern in Worten – und ihr könnt mich zu folgenden Zeiten besuchen, an denen ich meine Texte und Geschichten vorlesen werde:

Fr, 18.11., 17:00 Uhr
Sa, 19.11., 15:00 Uhr
Sa, 19.11., 18:00 Uhr
So, 20.11., 15:00 Uhr
So, 20.11., 17:00 Uhr

Zudem werde ich samstags und sonntags je im Anschluss an die Bastelstunde (die von 11:00 bis ca. 12:00 Uhr dauern wird) eine kindergerechte Geschichte vorlesen.

Ich stelle meine Lesungen, die je max. 20 Minuten dauern werden, spontan und je nach Anklang zusammen, weswegen es mir nicht möglich ist, im Vorfeld Genaueres bekanntzugeben. Meine Texte sind dabei durchwegs unterschiedlich; oft melancholisch, hin und wieder zynisch und manchmal surreal präsentieren sie sich entweder passend zur Jahreszeit oder lassen den November für kurze Zeit vergessen. Und als Überraschung habe ich eine Sprachinstallation – mit Rohren und Röhren – im Programm, die ich gemeinsam mit Kiwi vortragen werde.

Um euch einen Eindruck davon zu vermitteln, was euch erwarten könnte, will ich euch Auszüge aus dreien meiner Texte vorstellen:

*

Das Mädchen und der Bettler

(eine Weihnachtsgeschichte)

Die Menschen waren in Eile. Dunkel wurde es, die Straßenbeleuchtung ging an, überstrahlt von riesigen, rot und gelb und weiß leuchtenden Sternen, die mit Drahtseilen von den Häusern auf der einen Seite zu den Häusern auf der anderen Seite der Einkaufsstraße gespannt waren. An dieser oder jener Ecke stand ein Tannenbaum ohne Wurzeln, bunt geschmückt oder mit einer Lichterkette behangen oder beides, und manchmal spielte er gar ein Lied: Jingle Bells oder Santa Claus is coming to Town.

Eine kleine Menge Wärme entwich stets, wenn jemand die Tür zu einem der vielen Geschäftslokale öffnete, um es zu betreten oder zu verlassen; doch diese Wärme genügte nicht, um die Kälte, die außerhalb der beheizten Häuser regierte, zu bändigen. Pfützen geschmolzenen Schnees erstarrten zu Eis und kauerten, lauerten, um kalte Füße und manchmal auch einen Schnupfen zu schenken. Oder sie bescherten blaue Flecken und einen nassen Hosenboden, sofern man nicht das Glück hatte, von einem völlig Fremden aufgefangen zu werden.

[...]

*

Ein Sommer wie dieser

Der Herbst beginnt. Blätter verfärben sich, fallen von den Bäumen und kringeln ihre Ränder. Werden braun. Vor wenigen Tagen noch in der Blüte ihres Lebens, ihres kurzen Lebens, und dann kommt das Sterben so rasch. Nicht unerwartet, aber rasch. Der Baum wird kalt. Nächstes Jahr wird er wieder erblühen, aber die Blätter bleiben tot.

Ich stehe am Küchenfenster meines Hauses, meines abgeschiedenen Hauses, das außerhalb des Ortes steht. Nur eine schmale Straße führt hier vorbei, wie sie auf Landkarten weiß eingezeichnet ist. Wenn am Tag ein Dutzend Autos vorbeifahren, ist das viel. Wenn bei einem Windstoß ein Dutzend Blätter vom Kirschbaum in meinem Vorgarten fallen, ist das wenig.

Heute in einem Jahr werde ich tot sein. Ich weiß das, du nicht.

[...]

*

Im Dorf da wo man sich kennt und alle

In unserem kleinen Dorf da ist nichts los sagen die Alten da sagen sich noch Fuchs und Hase Gute Nacht alles ist ruhig sagen sie wissen dass der Fuchs dem Hasen noch nie eine Gute Nacht gewünscht hat weil der Hase und das muss so sein einfach kein Freund vom Fuchs ist da nicken selbst die Jungen die gern auf Hasenjagd gehen auch wenn die keine Füchse sind und wenn die dann glauben da liegt der Hase im Pfeffer brechen sie das Brot tauchen es ein in Pfeffersauce am Abend gehen alle satt schlafen nur einer nicht das ist immer so

Die Welt ist ein Dorf sagen die Alten glauben dass ihr Dorf die Welt ist sich dreht wie ein Karussell ist das Leben ist nur Pomp und Schminke im Gesicht das Leben muss ein Zirkus sein wenn die Welt ein Dorf ist wo die Alten die Kühe auf die Weide treiben die alten im Kreis wie Dompteure lachen dabei glauben ihr Zirkus sei das Leben ohne die Welt zu kennen im Grunde genommen wissen die ja wo sie leben

[...]

*

Alle drei Geschichten könnt ihr auch zu Ende lesen, und zwar hier und hier und hier – doch seid ihr freilich eingeladen, diese und noch andere live bei unserem Event zu hören!

S. A. Mahr
(aka Sam)

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